Franklin-Christoph Füller – Schreibgeräte mit außergewöhnlicher Ästhetik

Franklin-Christoph Füller

 

 

Nicht nur wegen vieler sehr guter Reviews waren Franklin-Christoph Füller schon sehr lange auf meiner persönlichen Wunschliste. Nein, sie haben mich auch hinsichtlich ihres herausragenden Designs angesprochen, welches über die gesamte Produktpalette Einflüsse der Jahrhundertwende bis in die 20er Jahre, ästhetische Nuanchen der 60er Jahre aber auch völlig neue und innovative Designs einfließen läßt.

Im letzten Jahr schon hatte ich die Gelegenheit gleich drei Exemplare zu erstehen, die im Zentrum meiner Aufmerksamkeit standen: Franklin-Christoph Model 02 Intrinsic, Model 20 Marietta und das Modell 66 Stabilis.

 

Modellunterschiede: Franklin-Christoph Model 02 Intrinsic, Model 20 Marietta und Model 66 Stabilis

Während das Model 20 sehr klassisch, schlicht und elegant daherkommt und an frühe Füller und Eyedropper der Jahrhundertwende um 1900 erinnert, sind die Designs der beiden Schwestern Model 02 und Model 66 mit sehr innovativen Ansätzen kaum mit anderen Füllern vergleichbar.

Die transparenten Versionen (Solid Ice) des 66ers und 02ers gehören zu den Bestsellern des Herstellers, was hinsichtlich der bestechenden Optik der Füller nicht verwundert. Um den Brückenschlag zur Jahrhundertwende herzustellen können alle Franklin-Christoph Füller stilgerecht und mit wenig Aufwand als Eyedropper verwendet werden. Für den dichten Abschluß des Schließmechanismus wird etwas Silikonfett auf das Gewinde aufgetragen. Die Tinte kann dann direkt in den Körper gefüllt werden, was insbesondere bei den transparenten Exemplaren zu wunderschönen Effekten führt. Die Tinte hinterläßt schöne Verläufe und Stukturen in der angerauhten Innenwand. Für das außergewöhnliche Design hat das Model 66 den Readers-Award des Penfold-Magazins 2015 gewonnen. Ich gehe davon aus, dass die Designs noch in weiteren Wettbewerben überzeugen werden.

 

Funktion und Design

Hinter jedem Franklin-Christoph Füller steht neben den ansrechenden ästhetischen Gesichtspunkten ein ausgeklügestes funktionelles Design, welches die Füller deutlich von anderen Marken unterscheidet. Die Schließmechanismen der Kappen sind bei den Modellen 02 und 66 direkt hinter der Feder auf dem Griffstück angebracht. An dieser Stelle haben viele Füller für gewöhnlich eine leichte Auswölbung, die ein noch vorne Rutschen der Finger vermeidet. Hier wurde der Platz gut genutzt, um ein Gewinde mit sehr breiten Furchen zu platzieren. Da das Gewinde sehr flach und ohne scharfe Kanten gefertigt ist, stört es selbst dann nicht, wenn beim schriben direkt darauf gegriffen wird. Das Model 20 Marietta hingegen hat eine Steckkappe ohne den gewohnten „Klick“. Die Kappe ist so konzipiert, daß die Luft beim Aufstecken entlassen wird. Das entstehende Vakuum sorgt dafür, dass beim Abziehen der Kappe keine Tinte aus der Feder gezogen wird und somit auch keine Tintenspuren in der Kappe oder auf der Feder hinterläßt. Durch starke Erschütterungen kann der ungewollte Tintenaustritt natürlich trotzdem austreten.

 

Einziges Manko: die Federn

Die Federauswahl bei Franklin-Christoph ist wirklich umfangreich. Es kann aus 16 verschiedenen Federgrößen und Schliffen bei den Stahlfedern und 10 unterschiedlichen Goldfedern ausgewählt werden. Nach meinem Erkenntnisstand kommen sämtliche Federn von Jowo aus Berlin. Die speziellen Schliffe wie Needlepoint, Italic oder Stub werden von Mike Masuyama, einem japanischen Federmeister, der in der USA ansässig ist, gefertigt. So verlockend und professionell, wie sich diese Voraussetzungen für einen Füllerkauf anhören, so enttäuschend war leider das Resultat. Ich bestellte die das Model 20 mit einer Needlepoint-Feder aus Gold und für das Model 66 das Äquivalent aus Stahl. Das Model 02 sollte hingegen eine normale EF-Werksfeder tragen. Alle drei Federn konnten mich in keiner Hinsicht bei den Schriftproben überzeugen. Die Federn sind unglaublich steif, scharf, stark kratzend und im Audruck charakterlos. Insbesondere bei den Needlepoints von Masuyama hatte ich mir eine ausgezeichnete Aufbereitung versprochen. Möglicherweise stimmt hier aber schon das Ausgangsmaterial nicht. Die Federn hatten einen guten und satten Fluß aber kaum Dynamik im Schriftbild. Was mich auch verwunderte ist, dass die Federn bei einer vertikalen Linienführung den Erwartungen an eine Nadellinie entsprochen haben, bei horizontalen Linienführungen jedoch so breit waren, wie etwa europäische F-Federn. Im Schriftbild sah das sehr gruselig aus, wenn man eeine konstante und homogene Linienführung erwartet. Das war für mich eine sehr irritierende Erfahrung, zumal ich von den Jowo-Federn eine bessere Qualität gewohnt bin, siehe Artikel zu TWSBI Diamond 580, der auch Jowo-Federn trägt. Die EF-Werksfeder entsprach einer europäischen M-Stärke. Die Performance war auch hier nur befriedigend, da die Feder, wie die anderen Exemplare extrem steif und metallisch-scharf war.

 

Materialien

Franklin-Christoph Füller werden alle aus einem Acryl-Kunststoff gefertigt. Bei den vorgestellten Füllern kommen keinen weiteren Materialien oder Metalle (bis auf die Feder) zum Einsatz. Daher sind die Füller unglaublich leicht. Dies muß man mögen. Persönlich bevorzuge ich schwere Füller mit einer leichten Last auf der Feder. Hinsichtlich der Schwerpunktverteilung lassen sich diese Schreibwerkzeuge viel präziser führen.

 

Gesamteindruck

Es ist wirklich sehr schade, dass die Federn so stark hinter dem guten Gesamteindruck dieser Füller zurückstecken müssen, denn das Design ist wie beschrieben wirklich herausragend und individuell. Zudem klappt der Direktversand des Herstellers nach Deutschland sehr gut. Franklin-Christoph versendet per Express mit Fedex ohne zusätzlichen Kostenaufschlag. Bei jeder Lieferung ist bei Zertifikat des Federmeisters und ein kleines Kunstledertäschchen inkludiert. Auch die neuen Tinten von Franklin-Christoph sind in der Farbauswahl und auch auf dem Papier sehr ansprechend. „Loden“ ist beispielweise ein stark gesättigter, dunkler Grünton mit tiefen Schattierungen – sehr zu empfehlen für jeden Grün-Liebhaber.

 

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