Gelschreiber, Gelstifte und Gelroller: Ein umfangreicher Test und Leitfaden

Gelstifte, Gelschreiber und Gelroller sind Synonyme und bezeichnen Schreibwerkzeuge, welche die positiven Eigenschaften von Kugelschreibern und Tintenschreibern vereinen. Alle Gelschreiber-Typen haben gemeinsam, dass die Tinte durch eine Kugel in der Stiftspitze aufs Papier geholt wird. Gelschreiber nutzen dabei eine spezielle Gel-Tinte, die hervorragende Schreibeigenschaften aufweist und nicht so zäh ist, wie die Tintenpaste in einem Kugelschreiber oder so flüssig, wie die wasserlösliche Tinte in einem Tintenschreiber. Gelschreiber sind also dokumentenecht, haben keine wesentlichen Anschreibprobleme und verschmieren nicht so leicht – das macht sie zu einem idealen, tagtäglichen Begleiter in Schule, Universität oder Büro. Neben den dokumentenechten Finelinern, wie zum Beispiel dem Pigma Micron von Sakura, sind sie auch eine gute Alternative für Künstler und Zeichner.

 

 

Herkunft und Hersteller von Gelschreibern

Vorreiter in der Gelschreiber-Produktion ist der ostasiatische Markt. In Japan wurden in den 80er-Jahren erstmalig Gelstifte entwickelt, die sich auch prompt lokal durchsetzen konnten. Gelschreiber sind zudem in den USA sehr beliebt. In Deutschland führen sie zu unrecht noch ein Schattendasein, was jedoch daran liegen könnte, dass die Gelschreiber aktuell hier recht schwer zu bekommen sind. Vermutlich wird sich dies in der nächsten Zeit ändern, da die wichtigsten und bekanntesten Hersteller wie Pilot, Uniball, Pentel und Sakura erste ernstzunehmende Marketinganläufe in Europa starten. Vielen dürfte hierzulande der Pilot FriXion schon ein Begriff sein. Es handelt sich um einen durch Reibungswärme radierbaren Gelroller, der vor allem bei Schülern sehr beliebt ist.

Die filigranen asiatischen Schriftzeichen erfordern für die tägliche Anwendung besonders feine Schreibutensilien. Daher sind die Durchmesser der Schreibspitzen, ähnlich wie bei japanischen Füllern, auch besonders fein erhältlich. Die feinsten Spitzen liegen bei 0.2mm. Gebräuchliche Größen sind um die 0.3mm erhältlich und rangieren bis zu einer Größe von etwa 1.0mm. In Europa und den USA gelten Spitzen von 0.5mm schon als fein. Dieses ist auch die Standardgröße, die für Fineliner gerne eingesetzt wird.

 

Technik und Charakteristik

Je feiner Gelschreiber oder Gelroller sind, desto mehr Widerstand ist beim schreiben spürbar. Daher eignen sich die sehr feinen Nadelspitzen bevorzugt für Menschen mit einem sehr leichten, kontrollierten Andruck und den bewussten Schreibern, die eher langsam bis mittelschnell schreiben. Größen ab etwa 0.5mm sind hingegen unkomplizierter – sie halten starken Andruck aus, gleiten sanft über das Papier und es läßt sich sehr schnell damit schreiben. Kinder und Schulkinder sollten also lieber mit den etwas breiteren Ausführungen beginnen.

Die Strichführungen unterbrechen nicht wie bei zähen Kugelschreibern und die eingesetzten Geltinten haben meist eine tiefe und starke Pigmentierung, so dass satte Farben möglich sind. Gern genutzt werden weiße Gelschreiber auf schwarzem Papier, denen hier noch ein eigenes Kapitel gewidmet wird. Lediglich die radierbaren Gelstifte haben eine leichtere Pigmentierung und erscheinen nicht ganz so satt. Bei hellen- oder Pastelltönen fällt dies aber kaum auf.

Die spezielle Gel Tinte hat eine besonders interessante Eigenschaft: Durch die Reibung der Kugel im inneren des Gelschreibers wird die Viskosität des Gels herabgesetzt. Auf dem Papier verhärtet das Gel in sehr kurzer Zeit. Ein Ausfedern und Durchbluten der Tinte ist deshalb kaum möglich. Insbesondere wenn eine sehr präzise und saubere, gar scharfe Linienführung erwünscht ist, gibt es kaum eine bessere Alternative als Gelstifte.

Wofür eignen sich Gelschreiber?

Gelschreiber kommen gerne für den alltäglichen Gebrauch in Frage, wenn eine besonders feine Linienführung gewünscht ist. Insbesondere für kleine Notizbücher, Karten oder Kalender mit wenig Schreibfläche sind Gelschreiber Gold wert. Die Handschrift wirkt dardurch sehr präzise, filigran und elegant. Im künstlerischen Umfeld werden Gelschreiber gerne für detailreiche Zeichnungen verwendet oder zum Schraffieren.

Welche Nachteile haben Gelschreiber?

Bei starkem Andruck oder sehr schnellem Schreiben neigen Gelschreiber gerne zum so genannten „Railroading“ (engl. Railroad = Eisenbahn oder auch Eisenbahnschine). Die Linien erscheinen dabei an den äußeren Rändern etwas dicker bzw. etwas dunkler als in der Mitte. Das Phänomen wird durch die Schreibkugel in der Spitze verursacht, welche das Gel in Richtung der äußeren Ränder der Kugel presst. Bei extrem starken Andruck lassen sich diese unschönen Linien nicht vermeiden. Dennoch gibt es einige Gelschreiber, die stärker zum „Railroading“ neigen als andere. Der Pilot FriXion neigt zum Beispiel recht stark dazu, während der Pilot Hi-Tec oder auch der Pentel Energel nahezu resistent sind.

Eingetrocknete Gelschreiber

Eingetrocknete Gelschreiber oder Gelstifte kommen sehr selten vor. Einige meiner Gelschreiber lagere ich schon mehrere Jahre in unterschiedlichen Positionen – liegend und stehend und alle funktionieren noch. Vermutlich kann man hier auch nicht von Austrocknen im Sinne eines Füssigkeitsverlusts sprechen, da die Geltinte in Natura eher trocken und hart ist. Schreibt ein Gelroller schlecht an, so liegt es meist an verhärteten Rückständen, an oder in der Schreibspitze. Mit etwas Spiritus läßt sich die Nadelspitze gut reinigen. Etwas Wärme sollte auch helfen. Nach mehreren Strichen auf dem Papier sollte der Gelstift dann wieder wie gewohnt gut schreiben.

 

Gelschreiber Produktlinien

Bis auf wenige Ausnahmen konzentriert sich das Angebot von Gelstiften auf vier große Marken: Uni-ball, Pilot, Pentel und Sakura. Im Sortiment der jeweiligen Hersteller gibt es unzählige Varianten durch Farben, Größe der Schreibspitzen, Grifflächen, Mechanismen und sonstigen Eigenschaften.

 

Unterschiedliche Schreibspitzen-Typen

Gelschreiber Vergleich: Nadelspitze, konische Spitze

Gelschreiber haben entweder eine konisch zulaufende Spitze oder eine Nadelspitze. Die unterschiedlichen Typen wirken sich jedoch nicht auf das Schreibgefühl oder das Schriftbild aus, sondern sind ästhetischen Ursprungs. Nadelspitzen eignen sich etwas besser, sofern sehr viel mit Schablonen gezeichnet wird, in denen die etwas breitere konische Spitze möglicherweise zu breit ist. Nadelspitzen sind sehr empfindlich und können verbiegen oder brechen wenn das Gelschreiber mal herunter fällt. Konische Spitzen sind da robuster.

 

Uni-ball Signo UM-151: Der zuverlässige Allrounder

Uni-ball Signo UM-151

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Der Uni-ball Signo hat schon einen legendären Status erreicht und trägt nicht zu Unrecht die Bezeichnung „Heiliger Gral“ der Gelschreiber. Die Ausführung UM-151 gibt es in den Stärken 0.28mm, 0.38mm und 0.5mm. Für den alltäglichen Gebrauch, um zum Beispiel kurze Notizen festzuhalten oder Kalendereinträge zu machen ist 0.38mm ideal. Sämtliche Standardfarben werden angeboten, wobei ich insbesondere die Blautöne gewöhnungsbedürftig finde. Das Standardblau tendiert in die Richtung himmelblau und ist sehr hell. Hier vermisse ich mehr Tiefe, wie sie bei den Wettbewerbern zu finden ist. Auch das schwarzblau hat einen grünen Einschlag und trifft nicht ganz meine Erwartungen. Das ist aber schon Jammern auf einem extrem hohen Niveau, da der Uniball Signo UM-151 zu den zuverlässigsten Gelschreibern gehört. Fazit: Absolute Empfehlung als Allrounder für alltägliche Arbeiten.

 

Pilot Hi-Tec-C: Der Klassiker

Pilot Hi-Tec-C

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Der Pilot Hi-Tec-C Gelschreiber (außerhalb des japanischen Marktes auch unter G-Tec-C geführt) ist hinsichtlich des schlichten und einfachen Designs unverwechselbar. Der transparente Kunststoffkörper mit Aufsteckkappe kommt ohne jeglichen Schnickschnack aus. Die Griffläche gibt es wahlweise aus hartem Kunststoff oder gummiert. Unter dieser Linie bietet Pilot die feinsten Gelstifte an, die weltweit zu bekommen sind. Unglaubliche Präzision ist daher mit der 0.25mm-Spitze zu erreichen. Wie bei den Wettbewerbern sind die Stärken zwischen 0.3mm und 0.4mm für normale Zeichen- und Schreibanwendungen die beste Wahl. Wer es dicker lieber mag, greift zur 0.5mm Ausführung. Farblich wird eine sehr große Palette von 21 Farben angeboten. Schwarz, blau und blauschwarz sind aus meinen Augen perfekt. Fazit: Tip für sehr feine Arbeiten.

 

Pentel Energel Euro: Das Arbeitspferd

Pentel Energel Euro

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Der Pentel Energel Euro Gelschreiber ist stark pigmentiert, schreibt butterweich und trocknet sehr schnell, was ihn auch für Linkshänder sehr interessant machen sollte. Er ist zwar nicht ganz so wasserfest, wie der Uni-ball Signo – hinsichtlich seiner anderen guten Eigenschaften, sollte dies nicht so stark ins Gewicht fallen. Der gesamte Körper des Gelschreibers ist etwas fleischiger und läßt sich durch die gummierte Grifffläche gut halten. Die Spitzen sind sehr robust und auch für Kinder geeignet, die vielleicht etwas kräftiger aufdrücken. Stärken gibt es in 0.35mm, 0.5mm,  0.7mm und 1.0mm in den Standardfarben blau, schwarz und rot. Bei dem Pentel Energel Euro greife ich am liebsten zu der 0.7 oder 1.0 Version, die in dieser Klasse die absolute Referenz sind und an smoothness wohl nicht mehr zu übertreffen sind. Fazit: Hervorragend immer dann, wenn eine etwas dickere Linienführung gewünscht ist. Zum Beispiel zum Beschriften von Briefumschlägen, Ordnern oder Etiketten.

 

Weitere Auswahlhilfen und Vergleich

Verschmieren Gelschreiber beim Markieren mit einem Textmarker?

Feine Gelschreiber haben die Eigenschaft kaum beim Markieren mit einem Textmarker zu verschmieren. Ab einer Breite von ungefähr 0.4mm lassen sich häufig leichte Schlieren feststellen – darunter sind die meisten Gelschreiber resistent gegen Verwischen beim highlighten. Weitere Einflußfaktoren sind frische der Stifte / Textmarker, Papierbeschaffenheit und auch die Farbe der Gelschreiber.

 

Gelschreiber Textmarker Resistenz

 

Gelschreiber Marke / ProduktbezeichnungStärkeFarbeVerschmiert beim Highlighten?
Pilot Hi-Tec C0.3schwarzgar nicht
Pilot Hi-Tec C0.25blaugar nicht
Uni-Ball Signo UM-1510.28blauschwarzgar nicht
Uni-Ball Signo UM-1510.38blaugar nicht
Pilot Hi-Tec C0.4blauleicht
Maica Pilot G-Tec C0.4blauleicht
Maica Pilot G-Tec C0.3blauschwarzleicht
Pentel Energel0.35blauleicht
Pilot G-20.7schwarzstark
Pentel Energel0.5blaustark
Pentel Energel0.7schwarzstark

4 Kommentare zu Gelschreiber, Gelstifte und Gelroller: Ein umfangreicher Test und Leitfaden

  1. Ich bin ein großer Fan von Gelschreibern, jedoch sehen alle billig aus. Gibt es auch Gelschreiber aus dem Premium Segment (ähnlich wie Faber Castell)?

    • Hi Ben,
      danke für deinen Kommentar und die Frage zu hochwertigen Gelschreibern. Die oben abgebildeten Exemplare sind sozusagen die Originale aus Japan. Ich habe bislang kaum vergleichbare Minen finden können. Insbesondere die Needlepoints von Pilot sind absolut einmalig. Es gibt einige Premium Hersteller die Gelschreiber bzw. Gel-Minen anbieten. Dazu gehören u.A. Parker, Kaweco, Monteverde und Visconti. Ein guter Kompromiss wären Hersteller aus den USA, die mit den japanischen Minen kompatibel sind. Dazu gehören zum Beispiel Ateleia und Karas Kustoms.

  2. Danke für diesen aufschlussreichen Post und deine Tipps! Kannst du einen Gelschreiber empfehlen, der nicht verwischt, wenn man das damit Geschriebene highlightet?

  3. Hi Katha,
    danke für deine Frage. Ich habe mir eben mal sämtliche Gelschreiber vorgenommen, die regelmäßig bei mir in Gebrauch sind und getestet, ob sie beim Markieren verwischen. Ich denke, es hängt auch immer davon ab, welches Papier bzw. welcher Textmarker verwendet wird. Von daher gilt der Testaufbau natürlich nur eingeschränkt für andere Materialien. Verwendet habe ich Midori Papier und einen Staedler triplus textsurfer. Generell läßt sich sagen, dass feine Gelschreiber so gut wie gar nicht verwischen und die kräftigen Stärken leichte Spuren ziehen. Gemarkert habe ich direkt nach dem Schreiben mit 2-3 Sekunden Verzögerung. Bei den Pilots habe ich ein etwas widersprüchliches Ergebnis: eigenlich müssten die Minen der Hi-Tec C und G-Tec C identisch sein. Hier hat jedoch der G-Tec C 0.3 (Maica) in blau geschmiert, der Hi-Tec C in schwarz jedoch nicht. Möglichweise ist es auch noch abhängig von der genutzten Farbe – ich werde demnächst mal mehr Farbvarianten hinzufügen. Die Uni-Balls (UM-151) brachten hervorragende Ergebnisse. Zu denen würde ich zuerst greifen, wenn Gelschreiber markerresistent sein sollen.

    Folgende Gelschreiber wurden überhaupt nicht verwischt:
    – Pilot Hi-Tec C schwarz (0.3)
    – Pilot Hi-Tec C blau (0.25)
    – Uni-Ball Signo UM-151 blauschwarz (0.28)
    – Uni-Ball Signo UM-151 blau (0.38)

    Folgende Gelschreiber haben leicht geschmiert:
    – Pilot Hi-Tec C blau (0.4)
    – Pilot G-Tec C Maica blau (0.4)
    – Pilot G-Tec C Maica blauschwarz (0.3)
    – Pentel Energel blau (0.35)

    Folgende Gelschreiber sind stark verwischt:
    – Pilot G-2 schwarz (0.7)
    – Pentel Energel blau (0.5)

    In den nächsten Tagen werde ich noch ein Bild dazu hochladen.

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