Montblanc Meisterstück 146

Montblanc Meisterstück 146 ohne Kappe

 

 

Montblanc Meisterstück 146 Vintage (70er / 80er Jahre)

Es ist immer etwas risikoreich einen nur auf Bildern gesehenen und nicht probe geschriebenen Vintage-Füller wie das Montblanc Meisterstück 146 zu bestellen. Passt die Feder zu meinen Vorlieben? Wie breit oder schmal fällt die (F)-Feder aus? Gibt es Mängel, die mir der Händler verschweigt? Dies sind nur einige der Fragen gewesen, die ich mir im Vorfeld stellte. Jedem, der ernsthaft erwägt einen hochwertigen Füller zu kaufen, würde ich empfehlen einige Stunden in einem Schreibwarengeschäft oder vor Ort bei dem entsprechenden Verkäufer zu verbringen, um das Objekt der Begierde auf Herz und Nieren zu prüfen. Trotzdem konnte ich in diesem Fall nicht anders, nachdem ich einen schon längere Zeit gehegten Wunschfüller ins Auge fasste und bei einem englischen Restaurator entdeckte.
Nur eines bleibt nach der Bestellung zu sagen: Perfekt! Die Lieferung erfolgte per Kurier und erreichte mich nach nur zwei Tagen. Das Päckchen war sorgfältig verpackt – nur ein wahrer Ästhet achtet auf ein sauberes Verkleben der Paketbänder – selbst die Schaumstoffbällchen waren gekonnt in Zweierreihen um den Inhalt der Sendung gefügt. Obenauf lag ein eierschalenfarbiger Briefumschlag, wachsgesigelt mit dem Emblem des Absenders, der neben persönlichen Worten noch einige Dokumente anbei fügte. Alles deutete auf eine sorgfältige und dem Inhalt des Päckchens angemessene Arbeit hin. Die Schachtel im Inneren wurde zusätzlich zweifach in Papier gehüllt.

 

Montblanc Meisterstück 146 Feder
Montblanc Meisterstück 146 – Feder des 80er Jahre Modells

 

 

Geschichte und Ästhetik des Montblanc Meisterstück 146

Ganz besonders blieb mir aber der Moment des Auspackens im Gedächtnis hängen und dies hat gleich vielerlei Gründe: Die Originalschachtel ist tadellos erhalten und nach einem Öffnen dergleichen erweist sich der Inhalt als ebenso unbeschadet und macht den Eindruck noch nie oder aber sehr sorgsam behandelt worden zu sein. Der Anblick eines Montblanc Meisterstücks, in diesem Falle eines Montblanc Meisterstück 146 aus den 70er/80er-Jahren ist für mich grundsätzlich eine besondere Erfahrung. Im Gegensatz zu den Sondereditionen beeindrucken mich ältere Meisterstücke ab den 50er-Jahren sehr mit ihrem reduzierten und schlichten (aber edlen) Design. Talbot Lago T-150Die klassische Stromlinienform fügt sich den ästhetischen Grundsätzen der Nachkriegszeit. Insgesamt futuristisch-runde und harmonische Formen sind in vielen Bereichen dominierend. Architektur, Automobile, Malerei, Literatur und Film scheinen sich gegenseitig zu inspirieren. Aber häufig sind es doch die Automobile, die als Statussymbole gerne auf den Werberatschlägen in Verbindung mit edlen Füllfederhaltern gebracht werden. Das ästhetische Fundament legte vermutlich der amerikanische Designer Raymond Loewy in den 20er bis 30er Jahren. Die berühmte T1-Dampflokomotive oder der stromlinienförmige Bleistiftanspitzer, der nie in Produktion jedoch in die Designgeschichte einging seien hier nur als wenige Beispiele unter vielen Möglichkeiten genannt. Auch das aus Frankreich stammende Automobil Talbot Lago T-150 bietet ästhetische Anknüpfungspunkte.
T1 Dampflokomotive Raymond LoewyAber ich schweife ab – also zurück zu dem Ereignis des Auspackens, denn neben der rein optischen Erfahrung überraschte mich noch ein zusätzlicher Eindruck, welcher sämtliche meiner Geruchsnerven berührte: Die Schachtel, der Brief und nicht zuletzt das Montblanc Meisterstück 146 verströmten einen intensiven Hauch von Baumharz und ätherischen Ölen. Tigerbalsam oder Franzbranntwein waren spontane Assoziationen. Ich nehme an das Duftspektakel hatte verschiedene Ursachen. Einerseits sah das Montblanc Meistersück 146 aus wie ein frisch gebohnerter noch feuchter Fußboden mit Spiegelglanz – es wurde wohl liebevoll mit einer schonenden Politur behandelt. Andererseits fiel auf, dass die Mechanik besonders leichtgängig zu drehen ist. Nach näherer Inspektion ließ sich auf der innenliegenden Schraubvorrichtung ein hauchdünner Film eines Schmierstoffes ausmachen. Jeder, der die Schatulle geöffnet hätte, John Travolta und Marsellus Wallace Koffermusste sich zwangsläufig so fühlen wie John Travolta beim Blick in den mysteriösen, goldschimmernden Koffer von Marsellus Wallace oder wie Antonio Banderas, der nach dem Öffnen seines Gitarrenkoffers wohl gesamt Mexiko mit dem Geruch von Waffenöl schwängerte. Die Idee des Füllfederhalters als Waffe in avantgardistischer Tradition gefällt mir in diesem Zusammenhang… Verzeihung, ich schweife schonwieder ab.
Also, da lag er nun, wunderbar kräuterig duftend und frisch wiedergeschlüpft…

 

Montblanc Meisterstück 146 mit Kappe

Montblanc Meisterstück 146 Feder - frontal

Montblanc Meisterstück 146 Tintenleiter 80er
Montblanc Meisterstück 146 mit Ebonit-Tintenleiter

 

Vergleich der Serien

In gewisser Weise schließt das erworbene Modell die Brücke zwischen den Celluloid-Meisterstücken der 50er Jahre und den neueren Serien ab den 90er Jahren. Zur Erinnerung ein kurzer Abriß: Das Montblanc Meisterstück 146 kam erstmalig 1948 in den Handel und wurde in der damaligen Werbung als Herrenfüller vermarktet. „Für die Hand des Herren in verantwortungsvoller Stellung“ hieß es ein wenig dick aufgetragen in den Ratschlägen. Diese erste Serie wurde bis 1960 fortgeführt und trägt eine wunderschöne Bicolor-Goldfeder aus 14-karätigem Gold. Die Teleskopmechanik wurde aus Messing gefertigt. Fortgesetzt wurde die Produktion unter leichten Veränderungen erst ab 1973. Diese zweite Serie des Montblanc Meisterstück 146 wurde bis ca. 1990 hergestellt. Als Material kam anstelle von Celluloid Duroplast zum Einsatz. Auch das Kolbenfüllsystem ist im Gegensatz zu den späteren Modellen (ab 1985) nicht aus Messing gefertigt, sondern aus Kunststoff. Das Meisterstück 146 wird dadurch ca. 2g leichter und der Schwerpunkt verlagert sich minimal nach vorne. Diese Eigenschaft wird von vielen Nutzern als sehr positiv betrachtet, da sich der Füller etwas ausbalancierter anfühlt. Damit lässt sich das Produktionsdatum von diesem Füller auf den Zeitraum zwischen 1980-1985 eingrenzen. Im zeitlichen Verlauf gab es immer wieder weitere kleinere Veränderungen. Zum Beispiel hat sich das Aussehen des Tintenleiters mehrmals verändert, das Tintensichtfenster war in der frühen Version der 70er noch blau, später dann grau. In den heutigen Versionen ist das Fenster nicht mehr durchgängig transparent sondern gestrichelt. Leichte Änderungen gab es auch am Clip, welcher zuerst ohne Gravur verbaut wurde und später „W.-Germany“ trug. Um sich gegen die vielen Plagiate zu wehren wurde 1991 damit begonnen eine Seriennummer auf den Haltering des Clips zu Lasern. Das „Made in Germany“ rutschte ab diesem Zeitpunkt unter den Clip.

 

Federn Vergleich Montblanc 146
Federn Vergleich Montblanc Meisterstück 146. Links ist die 80er Version abgebildet, rechts ein Meisterstück aus dem Jahr 2015, welches in dieser Version seit 1990 produziert wird

 

Die Feder

Im laufenden Prozess der Anpassungen hat sich auch die Monoton-Feder verändert. Frühere Federversionen der 70er Jahre sehen den Duoton-Federn der ersten Serie in der Prägung noch ähnlicher. Die Zierlinie am vorderen Ende der Feder hat einen etwas größeren Abstand zur Außenkante. Ein weiteres Merkmal zur Differenzierung: Frühe Federn, Anfang der 70er, tragen die Inschrift 14c, ab Ende der 70er dann 14k auf der Oberseite.
Doch was macht diesen „Lücken-Füller“ nun so interessant? In erster Linie ist es die Qualität der Feder, welche herausragend ist und deutlich mehr Charakter aufs Papier zaubert als neuere Exemplare. Die moderate Flexibilität läßt sich je nach Anwendungsfall für sanfte Variationen im Schriftbild einsetzen. Das Korn ist sehr flach geschliffen, wie auch bei meinem Montblanc Meisterstück 144. Der Tintenleiter wurde damals noch aus Ebonit gefertigt und sorgt für einen satten Tintenauftrag / Tintenfluß. Alles zusammengenommen macht dieses Montblanc Meisterstück 146 zu einem perfekten Alltagsfüller, auf den ich bevorzugt zurückgreife.
Nebenbei bemerkt, finde ich die vom Design einfacher gehaltenen Federn wesentlich schöner und ansprechender als die aktuellen Federn, denen viel Funkel anhaftet. Montblanc folgt leider dem Trend eher mehr am Design zu machen als wirklich notwendig wäre. Für zukünftige Weiterentwicklungen bleibt zu hoffen, daß sich der Hersteller auf das schlichte Understatement der früheren Versionen zurückbesinnt. Denn hier sollte nicht vergessen werden, dass das Meisterstück erst durch das zeitlos-reduzierte Design (und natürlich das Marketing) zur Füller-Ikone wurde. Diese Punkte in Kombination lassen zum aktuellen Zeitpunkt die alten Montblanc Füller attraktiver erscheinen. Dieses ist jedoch Geschmackssache und sollte natürlich nicht davon abhalten bei Gefallen zu einem neuen Montblanc 146 zu greifen.

 

Daten des 70er/80er-Jahre Modells

Firma: Montblanc
Model: Meisterstück 145 (70er / 80er-Jahre)
Materialien: Duroplast, 14k Gold
Länge (mit Kappe): 14,1 cm
Länge (ohne Kappe): 12,3 cm
Durchmesser Kappe: 1,4cm
Durchmesser Körper: ca. 1,3 cm
Feder Material: 14k Gold
Federstärken / Federtypen: EF, F, M, B, OM, OB, OBB, OBBB
Design: Zigarrenform
Füllung: Kolbenfüller
Tintenleiter: Ebonit
Bestellmöglichkeit: Amazon

 

Materialien

Tinte: Montblanc Königsblau
Papier: Leuchtturm 1917 Notizbuch A4

 

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